Auftaktpressekonferenz 21.01.16 Springer Kongress Pflege

Thema „Jetzt gehts los: Ist die Pflege auf ihrem überfälligen Erfolgskurs?“

Gesprächspartner waren Erwin Rüddel (MdB, CDU/CSU), Jana Luntz (Dipl.- PGw, Uniklinik Dresden, Vorstand VPU), Eugen Brysch (Vorstand Stiftung Deutscher Patientenschutz) und Falk H. Miekley (Director Professional Care Springer)

Die erste gute Nachricht ist, dass der Springer Verlag die Sparte Pflege von der Medizin trennt und als eigenständiges Ressort arbeiten lässt. „Wir positionieren die Pflege damit  als gleichgewichtigen Partner neben Springer Medizin“, sagt Falk H, Miekley.

Erwin Rüddel sichert über Pflegestärkungsgesetz I – III mehr Qualität, mehr Geld, mehr Betreuung und mehr Hände zu. Durch die neuen Gesetze haben 500.000 Menschen erstmals Zugang zu den Leistungen der Pflegeversicherung.  Was er dabei zu vergessen scheint, ist die mangelnde Betrachtung der stationären Pflege. Diese Pflegeeinrichtungen werden durch die PSG benachteiligt. Eugen Brysch stellt die Mängel des Gesetzes aus der Patientensicht deutlich dar. In stationären Einrichtungen gehen beispielsweise bei dem Übergang von Pflegestufe 1 zu Pflegegrad 2 294,-€ verloren. Auch das Palliativ- und Hospizgesetz hält einige Lücken für stationäre Einrichtungen bereit.
Etwa 30% der BewohnerInnen sterben in den ersten drei Monaten des Aufenthaltes in einem Pflegeheim, so Brysch. Das Palliativ- und Hospizgesetz sieht aber nur eine finanzielle Unterstützung außerhalb der stationären Pflegeeinrichtungen vor. In den Heimen kann man maximal auf Beratung und Kooperationsanreize setzen, denn für mehr werden keine Ressourcen bereitgestellt. Hier stehen 200.000 palliativbedürftige sterbende BewohnerInnen gegenüber 94.000 Menschen, die derzeit in Hospizen und Palliativstationen mit SAPV begleitet werden.
Eine weitere Problematik ist auch die Vernachlässigung der Personalbemessung. Jana Luntz gibt zu bedenken, dass über ein zielführendes wissenschaftliches Verfahren zur Personalbemessung dringend nachgedacht werden muss. Die Generalistik sieht Herr Rüddel kritisch im Sinne der Altenpflege. Welche Kritiken er dabei genau im Auge hat, erklärt er leider nicht. Herr Brysch wird da schon deutlicher. Er sieht schon jetzt ein scheitern der Generalistik, was hier aber auch zu kritisieren ist, denn Studienergebnisse zeigen schon jetzt eine Schnittmenge der Ausbildungen von 80%. Sein  Argument der notwendigen Kompetenzsteigerung der Pflegekräfte ist nicht von der Hand zu weisen. Die Verordnung von beispielsweise ressourcenunterstützenden Produkten sollte in den Händen der Pflegefachkräfte liegen.
Der Zugang zu dieser Berufsausbildung soll mit jedem Schulabschluss möglich sein, so Rüddel. Die Pflegehelfer sollen dann im 2. Ausbildungsjahr, als Add on, einsteigen können. Ob das dem Profil der zukünftigen Ausbildung zuträglich ist, bleibt offen und ist sicher auch kritisch zu bewerten. Wir wollen und brauchen hoch qualifiziertes Personal, welches komplexe Zusammenhänge und Versorgungssituationen überblicken können muss!
Ich bin persönlich fest davon überzeugt, hier Qualität vor Quantität zu setzen!!!
In einem Punkt stimme ich dem (selbst-erklärten) Pflegeexperten der CDU/CSU in vollem Umfang zu: Das Schulgeld für eine Ausbildung in diesem Beruf gehört endlich flächendeckend abgeschafft! Aber, wer eine Generalistik anstrebt, ohne die monetäre Gleichstellung der drei bisherigen Berufsgruppen in ernsthafte Überlegungen einzubeziehen, wird die Separierung nicht abschaffen und die immer wieder angeführte Sorge vor der Abwanderung in die Krankenhäuser wird sich bewahrheiten.

Jana Luntz befürwortet das neue Pflegeberufegesetz, was derzeit als Referentenentwurf vorliegt und durch die politischen Gremien laufen muss.
Der Entwurf hinterlässt aber doch noch einige Fragen, die beantwortet werden müssen!

Auf dem zweitägigen Kongress Pflege wird über diese und weitere Themen gesprochen und diskutiert werden.

by Mathias Düring

 

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