Ein Tag im Leben einer Narkoseschwester

Narkoseschwester

Ihr werdet mich heute in den Tag einer Narkoseschwester begleiten.

Den größten Vorteil den ich gegenüber anderen Pflegenden habe,
ist eine Stunde mehr Schlaf am Morgen!

Als erstes schaue ich morgens auf den OP-Plan
– Jibbi…, Gefäßchirurgie –
und muss mir ein Bild machen, was mich bei den Narkosen erwartet.
Dabei denke ich an die Fantastischen Vier….
CM, ITN & ZVK, ISBK, TIVA & ASK, LAMA, ASA & PTCA, AWR, ITS oje oje

MFG…

Man erfährt auch mit welchem Arzt man eingeteilt ist.

Hier kann ich richtig Glück haben oder…..

Die Narkoseschwestern betreten, zusammen mit dem OP-Schwestern,
zu erst das OP-Theater.

Jetzt erst mal den Check-up!

Sind die Materialschränke ausreichend befüllt.
Es muss mindestens für die erste Narkose reichen,
aber manchmal könnte ich damit im Saal überwintern
und das macht mir etwas Angst,
Funktioniert der Beatmungsbeutel, die Monitore, die Narkosegeräte, die Absaugung, ist der Narkosewagen mit allem ausgestattet, was ich im Notfall brauchen kann.

Und bei manchen Kollegen ist es lebensnotwendig, dass alle Spritzen mit den Stempeln in die gleiche Richtung schauen!!!???
Wer weiß…
vielleicht gibt es ja die links oder rechts drehenden Dormicum-Kulturen?!

Die erste Narkose vorbereiten muss ich auch, damit es flott gehen kann,
wenn Frau Schmitt in die Vorbereitung gebracht wird.
Der Test der Maschinen dauert, je nach Hersteller,
zusammen zwischen 15 und 20 Minuten.
Medikamente aufziehen, Infusionen, Zugänge und Beatmungsschläuche vorbereiten, Blutaufbereitung bereitstellen, das Ultraschallgerät testen und und und….

dann – nach 12 Minuten – kommt die Patientin.

ABER
Wenn Sie nicht rechtzeitig erscheint, weiß ich auf jeden Fall wer die Schuld trägt.

ICH!!!

Das Konkurrenzdenken ist unter den Pflegenden im OP doch recht hoch.
„Wo ist der Patient? Warum hast Du nicht rechtzeitig bestellt?“

Ich begrüße die 86 jährige Dame mit: Guten morgen junge Frau!

„Hihi,… Junge Frau. Das hat ja schon lange Keiner mehr zu mir gesagt!“

Wie war Ihr Frühstück?

UND

Was kann ich für Sie tun?

Die Atmosphäre ist gelockert und die Angst ist etwas weniger. Ich kann mit der Vorbereitung der Narkose starten.

Ich frage alle Fragen der Checkliste ab.
Wir operieren heute Ihre Nase, richtig???

„NEIIIIN, das rechte Bein.“
Gut, dann sind Sie ja die Richtige….
Haben Sie für die Operation und die Narkose und die Waschmaschine unterschrieben?
Tragen Sie eine Zahnprothese? Wenn Ja, ist sie auf Station?
Sind die Unterlagen vollständig? Ist die richtige Seite markiert? und so weiter

Die Vitalzeichenüberwachung ist schnell angebracht und der Zugang liegt auch.
Dann kann der Arzt ja kommen.

Warum ich auf ihn warte? Narkose kann ich theoretisch alleine, aber irgendwem muss ich ja während der Narkose das Händchen halten
und
wecken, wenn die Operation vorbei ist.

Der Arzt begrüßt mich und fragt: „Ist das die Y-Prothese?“
Nein, das ist Frau Schmitt, aber sie hätte gerne Eine…

Er beginnt meist, die Fragen zu wiederholen, die ich schon gestellt habe. Warum er das tut? Er ist die dritte Sicherheitsstufe, nach der OP-Schleuse und mir?

Nicht das wir nachher doch die Nase operieren….

Dann gibt es eine Sauerstoffdusche und ich gebe nach und nach die Narkosemedikamente, damit Frau Schmitt gemütlich und sicher einschläft und schöne Träume hat. Ich versichere Euch, dass Zählen von 100 abwärts schafft nie jemand unter siiiebenuuuuuuunnnnndnnnneuuuu……..

Jetzt geht die Arbeit erst richtig los und ich müsste eigentlich ein intelligenter Oktopus sein. Ich assistiere dem Arzt beim legen des Beatmungsschlauchs,
einem arteriellen und zentralvenösen Zugang,
bei dem wir schon aussehen, als würden wir eine OP durchführen.
Ich muss aber noch weitere Zugänge, Sonden und Katheter legen
und am besten alles parallel, um schnell in den Saal zu kommen.
Eine solche große Einleitung kann schonmal 20 bis 40 Minuten dauern,
bis wir zum eigentlichen Eingriff kommen können.

Wir betreten mit der Patientin im Schlepptau den OP-Saal und beginnen damit, die Überwachung wieder anzuschließen und unsere Sachen zu sortieren, als ich höre:

„Warum hast Du den Arm nicht links ausgelagert? Du weißt genau, dass wir den Platz brauchen. Den Zugang hättest Du auch gleich auf DER Seite legen können.“

Jaa, wenn da nicht der Shunt für die Dialyse wäre.

Die Arbeit wäre sooo schön und einfach, wenn diese ganzen Patienten nicht immer wären….

Zusammen mit den Kollegen lagern wir die Patientin und fixieren all unsere Schläuche und Katheter

UND DANN

kommt der Operateur…..

„So geht das nicht! Ich möchte den Arm da, und das Röntgengerät dort….. Lass mich das mal lieber selbst machen!“

Man könnte denken, er hätte direkt bei der Lagerung dabei sein können,….Ja….

Der Rest der Narkose ist meistens entspannt und geprägt von Überwachung, Dokumentation, Medikamentengaben und der Vorbereitung der nächsten Narkose.
Um eine gute Narkose durchzuführen, muss man in ständigem Kontakt mit den Operateuren stehen.

Sobald sich die Operation dem Ende neigt, sollte man auf die Uhr schauen und die Narkosemedikamente so abstellen,

dass man den Beatmungsschlauch entfernen kann, sobald der Verband auf der Naht ist und die OP-Tücher entfernt werden.

Die Narkose kann richtig Spaß machen und ruhig verlaufen,
wenn da nicht immer die Individualität der Patienten wäre.
Wie reagieren die Patienten vor, während und nach der Narkose?

Es gibt auch hier immer wieder Vorurteile, die man genauer betrachten sollte:

Schwarz, weiß, gelb oder rot – egal,

STOP, ROT?

Da war doch der Satz von meinen Eltern: „Indianer kennen keinen Schmerz! Moment, wo kommen Indianer her?“

Und? – Was hat das Ganze mit mir zu tun?

Man hört von

Morbus Bosporus oder Morbus mediterraneus, der nur bei Südländern auftritt und Schuld ist, dass diese Menschen theatralisch auf Schmerzen reagieren….

Von dieser „Erkrankung“ erfährt man fast immer als erstes, wenn man in diesem Beruf anfängt.

Ernsthaft???

NEIN, es müsste Morbus masculinus heißen…. Ich bin froh, wenn große und starke Männer beim Zugang legen schon liegen…..

ODER

rothaarige Frauen mittleren Alters.
Die verbrauchen deutlich mehr Narkosemittel, aber wenig Morphium.

Dazu gibt es sogar Studien!!!

Bei den Narkosen, muss man echt aufpassen. Wenn diese dann noch Lehrerinnen sind und einen Doppelnamen tragen,

dann Gute Nacht!

Dabei wissen wir doch eigentlich ganz genau, wer die schlimmsten Patienten sind.

Wir!

Die eigene Berufsgruppe! Ich hätte gerne so und so viel Milligramm von diesem Medikament und DAS wirkt bei mir ganz sicher nicht!

Woher ich das weiß?

Ich hatte doch schonmal eine Narkose!!!

„Im Gegensatz zu anderen Patienten weiß ich ganz genau was da gelaufen ist!!!“

EHRLICH?

Das einzige was ich davon noch weiß,

war eine Minute Aufwachraum!
Stöhnend auf der Seite liegen.
Eine hübsche Kollegin kam und fragte:
„Schmerzen?“

AHA!

„Dipi?“

MHM!

Ich wachte erst wieder auf der Station auf!

Was im Aufwachraum sonst noch passierte

Keine Ahnung

oder ob ich mich benommen habe?

Bestimmt!!!

Was genau in einem Aufwachraum geschieht, werde ich Euch beim nächsten Mal erzählen!

Wenn Frau Schmitt wach aus dem Operationssaal gebracht wird, liegt der nächste Patient schon wieder in der Vorbereitung!

Das Spiel beginnt von vorne!

Ein Narkosetag hält eine bis zwölf Narkosen für mich bereit und ich wünsche mir

und tue alles dafür, dass die Patienten eine gute Narkose haben und komplikationslos das OP-Theater verlassen.

Bei aller Konkurrenz innerhalb und außerhalb der Fachdisziplinen und der Sticheleien zwischen OP- und Anästhesiepsersonal.
Ob des wirtschaftlichen Drucks durch höhere Fallzahlen und weniger Personal, dürfen wir Alle nie vergessen:

Es geht immer um die Menschen, die vor uns liegen und uns ihre Gesundheit, manchmal auch ihr Leben, aber auf jeden Fall ihre Würde in die Hände legen.

Dabei spielt es keine Rolle ob schwarz, weiß, rot oder gelb, Moslem, Jude, Christ, Hindu, Buddhist oder Zeuge Jehovas. Die Würde bleibt unantastbar und gehört – in diesem speziellen Bereich – besonders geschützt!

 © by Mathias Düring

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14 Gedanken zu “Ein Tag im Leben einer Narkoseschwester

  1. Eine Kollegin die Türkin ist erklärte mal, der m. Bosporus kommt daher das die Kranken dort besonders gewürdigt werden. Also muss man den Angehörigen auch was bieten. Ich habe das Gefühl, die bekommem es so beigebracht, dass sie schon standardmäßig aua sagen.

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