Dringend gesucht: PflegerIn

Ich habe am 02.06.2016, mit zwei KollegInnen der AG Junge Pflege Nordost des DBfK Nordost e.V., die Veranstaltung „Dringend gesuch: PflegerIn“, der Partei Bündnis 90/ Die Grünen, besucht. Dazu wurde der folgende Beitrag geschrieben, den ich mit Fett geschriebenen Ergänzungen und dem – von Jannik gestalteten – Foto  versehe.
Den original Beitrag findet Ihr hier!


©by Jannik M.

 

2. Juni 2016: „Dringend gesucht: Pfleger/-in“ – Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

Podium:
Frau Scharfenberg (Sprecherin für Pflege der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen)
Frau Bühler (Ver.di)
Herr Meurer (bpa)

Impuls:
Ein Thesenpapier von Gesundheitswissenschaftler Prof. Dr. med. (MPH 1955)Fritz Beske, welches nach unserem Eindruck von der Mehrheit der Pflegenden als nicht angemessen und an den Haaren herbei gezogen empfunden wurde. Beispielsweise wurde eine Absenkung der Fachkraftquote auf 25% in der Pflege  gefordert. Vor dem Hintergrund von Studien, dass die Mortalität mit der Qualität der Pflegenden zusammenhängt (vgl. Aiken et. al., 2014) aus der Sicht der AG Junge Pflege brandgefährlich. Dem kann ich nur ausdrücklich zustimmen. Die Fachkraftquote zu senken und stattdessen fest angestellte Stationsärzte in stationären Pflegeeinrichtungen einzustellen sowie die Pflegehilfskraftquote zu steigern, zeigt die alteingesessene Sichtweise des Autors.

Aufreger 1:
Auf dem Podium fanden sich keine professionellen Pflegefachperson wieder, welche als originäre Aufgabe die Versorgung von Patient_innen inne hat. Statt dessen ein Heimleiter und gleichzeitig der Präsident des bpa (Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e. V.). Er hat zwar ursprünglich eine Pflegeausbildung absolviert und sagt, dass er gerne in der Pflege gearbeitet hat und sich nicht schöneres vorstellen kann, aber schon mit 27 Jahren ein Pflegeheim übernommen hat. Es ist anzunehmen, dass für ihn die Bedürfnisse und Anliegen seiner Arbeitnehmer (also der Pflegenden) im Vordergrund stehen, trotzdem stellen wir uns die Frage, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn die professionell („am Bett“) Pflegenden als Arbeitnehmer für sich selbst gesprochen hätten?

Aufreger 2:
Frau Scharfenberg sprach Pflegenden die Fähigkeit ab sich in einer Pflegekammer demokratisch zu gründen und mit einer Stimme sprechen zu können. (Bei den Ärzten scheint das jedoch möglich zu sein.) Sie scheint eine Kammer für nicht relevant zu empfinden und meint:“Das müssen die Pflegenden selbst entscheiden!“ Wenn wir nun den Vergleich mit Berlin anstellen und das repräsentative Ergebnis von 58,8% für und 17,1% gegen eine Pflegekammer betrachten, ist die Frage berechtigt:“Hat die Pflege nicht bereits klar gemacht, was sie will?“
Ein weiterer Blick nach Rheinland-Pfalz, Schleswig Holstein und Niedersachsen macht den Willen der beruflich Pflegenden deutlich.

Highlight:
Frau Bühler von Ver.di forderte am Ende der Veranstaltung eine rechtsverbindliche Regelung der jeweiligen Berufspflichten (dies könnte bspw. eine Berufsordnung innerhalb eines Selbstverwaltungsorgans für die professionelle Pflege sein). Sympathisiert ver.di also doch mit einer Pflegekammer? Was ver.di immer wieder zu vergessen scheint und was ich ausdrücklich befürworte, ist die gut aufgestellte Pflegevertretung, bestehend aus Gewerkschaft; Pflegeberufsverbänden und Pflegekammer!

P. S.: Die von den Grünen geforderte integrative Ausbildung dürfte nicht den EU-Ansprüchen genügen – da der Berufsstand der Altenpflege (wie er dann weiter bestehen würde) in der EU-Richtlinie nicht vorgesehen ist und somit in anderen Ländern keine Anerkennung erfahren würde. Diese in der EU ansonsten nicht vorhandene dreigliedrige Ausbildung, würde durch die generalistische Ausbildung mit einer entsprechenden Spezialisierung entfallen.
Diese integrative Ausbildung würde, wie viele Kritiker der Generalistik schon jetzt monieren, alle Bereiche – in 1,5 bis 2 Jahren – „ankratzen“ und dann – in weiteren 1,5 bis 1 Jahr(en) – die Spezialisierungen durchführen. Das kann kaum funktionieren, da dem zukünftigen Bedarf  der Fachkräfte für alle Bereiche der Pflege nicht gedeckt werden kann. Die Menschen werden immer älter und steigen die komplexen Versorgungsbedarfe in allen Bereichen. Akutversorger müssen mit mehr demenziell erkrankten Menschen umgehen und stationäre und ambulante Pflegeeinrichtungen mit akut zu versorgenden Menschen, die eher aus Kliniken entlassen werden.
Das aktuelle Gesetzesvorhaben hat sicher noch Verbesserungspotenzial, dennoch ist eine generalistische Pflegeausbildung die beste Aussicht, um den Bedarfen der Zukunft gerecht zu werden! 

Quellen:

https://jungepflegenordost.wordpress.com/2016/06/21/02-06-16-gruene-suchen-pfleger-in-und-finden-heimbetreiber/, Zugriff:21.06.2016

Kollak et al. (2015): Studie zur Akzeptanz einer Pflegekammer im Land Berlin, https://www.berlin.de/sen/gesundheit/themen/pflegekammer/, Zugriff: 21.06.2016

Aiken et. al. (2014): Nurse staffing and education and hospital mortality in nine European countries: a retrospective observational study, http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(13)62631-8/abstract, Zugriff: 20.06.2016

© by Jannik M. und Mathias Düring

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